Freitag, 14 September 2018 14:41

Neuer Musterprozess zu Werkstattkosten bei Handwerksleistungen

Fallbeispiel: Sie beauftragen einen Schreinermeister, eine neue Haustür herzustellen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 6.000 €, wovon 3.000 € Arbeitslohn sind. Obwohl dieser separat in der Rechnung ausgewiesen ist, zieht das Finanzamt nicht 600 € (20 % von 3.000 €) von Ihrer Steuerschuld ab. Begründung: Begünstigt seien nur Arbeiten, die  im  Haushalt, nicht aber in der Werkstatt durchgeführt werden. Eine Schätzung, welcher Teil des Lohns auf den Ausbau der alten und Einbau der neuen Tür vor Ort entfalle, sei nicht möglich. Von daher scheide die Anerkennung gemäß § 35a EStG komplett aus. Wie können Sie sich wehren? 

Auf keinen Fall sollten Sie den entsprechenden Steuerbescheid bestandskräftig werden lassen. Legen Sie stattdessen Einspruch ein und beantragen Sie gleichzeitig Ruhen des Verfahrens. Zwar gibt es zu dieser Streitfrage einige negative Finanzgerichts-Urteile (auf die sich der Fiskus gerne beruft), aber auch steuerzahlerfreundliche, über die teilweise noch der BFH endgültig entscheiden muss.

Ergänzend weisen wir Sie heute auf ein erfreuliches Urteil des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt hin (Az. 1 K 1200/17 èst 320118). Auch hier geht es um die Anfertigung, Verzinkung, Lieferung und Montage einer Tür. In ihrer Begründung verweisen die Richter vor allem auf die Gesetzesbegründung. Demnach würde das Ziel – die Förderung der privaten Haushalte durch Begünstigung der Handwerkerarbeitsleistungen für die eigene Wohnung sowie die damit einhergehende Bekämpfung der Schwarzarbeit

Zusatztipp: Es kommt immer wieder vor, dass sich Handwerker weigern, den Lohn separat in der Rechnung auszuweisen (z B. weil sie eine Offenlegung ihrer Kalkulation verhindern möchten). Das mag aus deren Sicht zwar nachvollziehbar sein. Als Eigentümer/Mieter einer Wohnung haben Sie jedoch Anspruch auf eine Rechnung, die Ihnen zum Steuerabzug verhilft. Dies ergibt sich aus § 242 BGB („Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.").

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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